Ausverkauft und im Trend: Beim Vienna City Marathon erobert die Gen Z die Strecke

Wien erlebt an diesem Wochenende einen Laufrausch: Rund 49.000 Laufbegeisterte sind bei den zahlreichen Bewerben rund um den 43. Vienna City Marathon am Start. Die Königsdistanzen waren so gefragt wie noch nie – Marathon und Halbmarathon waren bereits Mitte Oktober ausgebucht.
Neben den Hauptläufen am Sonntag stehen Staffel, Kinderlauf und ein Inklusionslauf auf dem Programm. Der Andrang hat in den vergangenen Jahren spürbar angezogen: Vor drei Jahren war eine Anmeldung für den April-Lauf noch bis Februar möglich, inzwischen waren die Startplätze deutlich früher vergeben – Marathon und Halbmarathon 2026 waren bereits ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht.
Auch die Zusammensetzung des Feldes verändert sich. Laut der VCM Group, die das Event veranstaltet, sind bei Marathon und Halbmarathon inzwischen die 25- bis 29-Jährigen mit rund einem Fünftel die stärkste Altersgruppe. Früher dominierten die knapp 40-Jährigen.
Gleichzeitig steigt der Frauenanteil: Beim Marathon ist fast ein Drittel der Teilnehmenden weiblich, beim Halbmarathon ist das Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen – ein Novum. Die Sportpsychologin Johanna Constantini sieht darin einen Wertewandel.
Die Generation Z, also Menschen mit Geburtsjahrgängen zwischen 1996 und 2010, lege großen Wert auf Körperbewusstsein, Sport und gesunde Ernährung; Materielles trete zurück, während besondere Erlebnisse wichtiger würden. Ausdauersport wie Laufen verbinde diese Aspekte, weil man vergleichsweise schnell in einen Flow-Zustand komme, der sich gut anfühle.
Auffällige Großevents wie Marathons fungierten für viele als Statussymbol – etwas Einzigartiges, das man sich nicht kaufen, sondern erarbeiten könne. Das gemeinsame Überschreiten der Ziellinie stille zugleich ein starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit, das gerade bei Jüngeren ausgeprägt sei, weil viele Einsamkeit erleben.
Wer Gleichgesinnte sucht, landet oft in „Running Communities“. In Wien treffen sich zahlreiche, meist junge Läuferinnen und Läufer in Vereinen zu gemeinsamen Runden, oft mit anschließender Kaffeepause oder einem Bier. Manche Gruppen sprechen gezielt bestimmte Zielgruppen an: Der Social Run Club Vienna richtet sich etwa an Singles und bewirbt das offen in sozialen Medien, unter anderem mit eigenen Valentinstagsläufen.
Zu Beginn der Trainings gibt es dort farbige Schweißbänder: Schwarz für alle, die jemanden kennenlernen wollen, Weiß für rein platonische Kontakte. Seit der Gründung vor rund eineinhalb Jahren hätten sich drei Paare gefunden, berichtet Mitgründerin Anna Herschler; sie selbst habe ihren Partner im Club kennengelernt.
Auch persönliche Geschichten tragen den Trend. Die 27-jährige Marina etwa suchte nach ihrem Umzug von Niederösterreich nach Wien Anschluss und fand ihn beim Laufverein Early Birds, der sich an Frühaufsteher richtet. Viele Jüngere teilen ihre Läufe und Zeiten auf Plattformen wie Instagram und Strava; Strava-Nutzerinnen und -Nutzer können dort ihre Aktivitäten aufzeichnen und Leistungsdaten analysieren lassen.
Für die Veranstalterinnen und Veranstalter bedeutet die Entwicklung volle Starterfelder und eine veränderte Stimmung entlang der Strecke. Und für viele aus der Generation Z wird der Marathon damit weniger Soloprojekt als gemeinsames Erlebnis – eines, das sie am Wochenende in Wien auf die Straße bringen.
