Andesvirus auf der MV Hondius: Drei Tote, mindestens acht Infizierte – Labor bestätigt Virustyp

Drei Tote, mindestens acht Infizierte – und nun ein bestätigter Fall in der Schweiz: Nach einer Reise auf dem Expeditionsschiff MV Hondius wird am Universitätsspital Zürich ein Mann mit einer Hantavirus-Infektion behandelt. Laboranalysen zufolge handelt es sich um das Andesvirus.
Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit und sprach von der ersten Laborbestätigung des verantwortlichen Virustyps in diesem Zusammenhang. Unklar bleibt vorerst, ob das Virus tatsächlich todesursächlich war und auf welchem Weg sich die Erkrankten infizierten.
Fachleute betonen, dass das Andesvirus der einzige Hantavirustyp ist, bei dem eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt beschrieben wurde. Weil das Schiff aus Südargentinien kam, müsse diese Möglichkeit differenzialdiagnostisch ernst genommen werden, so Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.
Zugleich deuten laut Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr die bislang öffentlich zugänglichen epidemiologischen Daten darauf hin, dass zumindest die ersten Fälle ihre Infektion sehr wahrscheinlich nicht an Bord, sondern bereits vor Reiseantritt oder in früheren Reiseabschnitten erworben haben könnten.
Hantaviren treten in verschiedenen Typen auf, die sich in geografischer Verbreitung, Krankheitsbild und Wirt unterscheiden. Das Andesvirus kommt in Südamerika, vor allem in Argentinien und Chile, vor und kann das Hantavirus-Kardiopulmonale-Syndrom (HCPS) auslösen.
Dieses verläuft häufig schwer. Das Robert-Koch-Institut gibt die Letalität mit 25 bis 40 Prozent an; laut BAG können sogar bis zu 50 Prozent der Fälle tödlich enden. Besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind Menschen mit Vorerkrankungen sowie ältere Personen, sagt Liam Brierley von der University of Glasgow.
Das Krankheitsbild beginnt oft unspezifisch und kann innerhalb weniger Tage in Lungenödeme und akutes Lungenversagen übergehen. Bei einer HCPS-Diagnose ist eine rasche Gabe von Sauerstoff entscheidend, um eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff zu verhindern, die sonst eine Intubation oder maschinelle Beatmung notwendig machen könnte.
Wer so behandelt wird und die ersten 24 Stunden überlebt, hat gute Chancen, die Erkrankung ohne Folgen zu überstehen. Eine Impfung gegen das Andesvirus existiert bisher nicht. Die Klärung der Todesursachen und der genauen Ansteckungswege bleibt nach Angaben der Fachleute vorerst offen.
