Ameisen im Haus: Warum Insektenspray das Problem bei Pharaoameisen verschärft

Der schnelle Griff zur Spraydose, wenn sich eine Ameisenstraße über die Küchenplatte zieht, liegt nahe – doch er kann das Problem erheblich vergrößern. Besonders bei Pharaoameisen verschlimmert Insektenspray die Lage, warnt der Berliner Schädlingsbekämpfungsverein.
Das Mittel treffe nicht den Kern des Befalls und könne sogar dazu führen, dass die Kolonie wächst oder sich ausbreitet. Pharaoameisen unterscheiden sich deutlich von gewöhnlichen Gartenameisen: Sie leben in warmen Innenräumen und sind im Freien nicht zu finden.
In der Heizperiode werden sie oft erst richtig sichtbar, weil Wohnungen und Häuser ihnen ganzjährig ideale Bedingungen bieten. Sichtbar sind dann nur die Arbeiterinnen auf Nahrungssuche – das eigentliche Nest bleibt meist verborgen, etwa hinter Fußleisten, in Hohlräumen oder unter Böden.
Genau hier setzt das Problem mit Sprays an. Sie töten nur die Sammlerinnen, während das tief im Mauerwerk sitzende Nest unberührt bleibt. Nach Angaben des Vereins reagiert der Ameisenstaat auf den plötzlichen Verlust der Arbeiterinnen biologisch: Über den Austausch von Mundsekret erhält die Königin chemische Signale zum Zustand der Kolonie.
Sinkt die Zahl der Arbeiterinnen, steigt die Fortpflanzungsrate. Im schlimmsten Fall spaltet sich die Kolonie und wandert in weitere Gebäudeteile ab. Pharaoameisen-Kolonien können aus bis zu 100 Königinnen bestehen – wird eine Teilkolonie gestört, entstehen andernorts neue.
Das erklärt, warum Hausmittel oder Sprays bei dieser Art regelmäßig versagen. Bei Verdacht auf Pharaoameisen führt daher aus Sicht von Fachleuten kein Weg an professioneller Hilfe vorbei. Erfahrene Schädlingsbekämpfer setzen spezielle Ködersysteme ein, die das Gift in die Nester tragen und so auch die Königinnen erreichen.
Anders sieht es bei gewöhnlichen Hausameisen aus, die durch Fenster- oder Türritzen einwandern. Gegen sie können einfache Maßnahmen helfen: Stark riechende Stoffe wie Lavendel, Minze, Zimt, Essig, Chili oder Zitronenschale stören den Orientierungssinn und schrecken die Tiere ab.
Fugen und Ritzen sollten mit Silikon abgedichtet werden, um Eintrittswege zu schließen. Auch gut getrockneter Kaffeesatz, auf Ameisenstraßen gestreut, kann wirken. Wichtig sind außerdem saubere Arbeitsflächen und dicht schließende Behälter für Vorräte – ohne Krümel und offene Lebensmittel fehlt den Tieren der Anreiz, ins Haus zu kommen.
Die Kernaussage der Fachleute: Sichtbare Ameisenstraßen sind meist nur ein Symptom. Statt zur Spraydose zu greifen, sollten Betroffene bei Pharaoameisen schnell professionelle Unterstützung holen – und bei anderen Arten mit Prävention, Abdichtung und Gerüchen gegensteuern.
