Akupunktur-Kongress in Wien: Leitlinienempfehlungen und neue Evidenz im Fokus

In Wien rückt am 20. und 21. April die Akupunktur ins Zentrum einer internationalen Fachtagung: Expertinnen und Experten präsentieren neueste Forschungsergebnisse und diskutieren ihren Stellenwert in der medizinischen Versorgung. Veranstalterin ist die Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), die heuer ihr 70-jähriges Bestehen markiert.
Nach Angaben der ÖGA wird Akupunktur in Österreich seit Jahren in zahlreichen Spitälern und Ordinationen angewendet. Auch international ist sie etabliert: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt Akupunktur in 113 der 194 WHO-Mitgliedsstaaten zum Einsatz.
In Ländern wie Österreich, Deutschland, Italien, der Schweiz und Tschechien gibt es in vielen öffentlichen Spitälern Akupunkturambulanzen. In Deutschland führten groß angelegte Studien den Angaben zufolge dazu, dass Akupunktur bei einigen Indikationen auch bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit Akupunkturdiplom vom öffentlichen Gesundheitssystem bezahlt wird.
„Akupunktur wurde bereits in die Guidelines diverser internationaler Fachgesellschaften aufgenommen – das zeigt ihren hohen Stellenwert für die leitliniengerechte medizinische Betreuung“, betont die Kongresspräsidentin Dr. Karin Stockert. Demnach empfehlen in England die NICE-Guidelines Akupunktur zur Behandlung primär chronischer Schmerzen.
Die American Society of Clinical Oncology hat Akupunktur in Leitlinien zur Behandlung von Schmerzen unter Aromatase-Hemmern bei Brustkrebspatientinnen sowie bei generalisierten Krebsschmerzen aufgenommen. Das American College of Physicians empfiehlt Akupunktur bei chronischem Kreuzschmerz.
Der Wiener Kongress versteht sich laut ÖGA als Plattform, um die Basis für den Einsatz der Methode zu verbreitern und die Vernetzung zwischen Forschung, Ärztinnen und Ärzten sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern zu fördern. ÖGA-Präsidentin Dr.
Daniela Stockenhuber verweist darauf, dass in Österreich weiterer Bedarf an Ambulanzen oder Ambulatorien bestehe, in denen die Kosten von gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden. Die Gesellschaft setzt sich demnach dafür ein, Akupunktur in entsprechende Behandlungs-Guidelines in Österreich aufzunehmen und die ärztliche Ausbildung auszubauen.
Akupunktur werde als nebenwirkungsarme und nachhaltige, umweltschonende Therapiemethode beschrieben, so Stockenhuber. Laut den Veranstaltern, unter Verweis auf evidenzbasierte Forschung, zeigt Akupunktur besonders gute und lang anhaltende Effekte bei Schmerzzuständen wie Kopfschmerzen, Migräne, Cervicalsyndrom, Lumbalgien, Osteoarthritis, aromatasehemmerinduzierten Gelenkschmerzen und bei chronischem Schmerz.
Positive Ergebnisse würden zudem bei Nicht-Schmerzindikationen wie allergischer Rhinitis oder durch Chemotherapie induzierter Übelkeit berichtet. Internationale Expertinnen und Experten werden beim Kongress neueste Erkenntnisse vorstellen und den fachlichen Austausch anstoßen – mit Blick darauf, die vorhandene Evidenz künftig stärker in Entscheidungen des Gesundheitssystems einfließen zu lassen.
