Ärztekammer Wien unterstützt Teile von Ludwigs Reformplänen und pocht auf Einbindung der Ärzteschaft
Die Wiener Ärztekammer stellt sich vor der nächsten Verhandlungsrunde zur Gesundheitsreform hinter mehrere am Mittwoch von Bürgermeister Michael Ludwig präsentierte Ideen – und mahnt zugleich die konsequente Einbindung der Ärzteschaft ein.
Reformgespräche fänden derzeit vor allem zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungen statt; für praxistaugliche, alltagstaugliche Lösungen brauche es aber das Wissen der Ärztinnen und Ärzte, betonte Kammerpräsident Johannes Steinhart. Im Zentrum müsse stets die Patientensicht stehen.
Das heimische System zähle zwar zu den besten weltweit, Reformen müssten dieses Versorgungsniveau sichern. Als positiv wertet die Kammer, dass die medizinische Versorgung als zentrales Anliegen der Bevölkerung erkannt werde. Besonders im niedergelassenen Bereich werde die Versorgung in den kommenden Jahren zunehmend schwieriger, sagte Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte, Naghme Kamaleyan-Schmied.
Konzepte müssten die Versorgungswirksamkeit jeder Ärztin und jedes Arztes – unabhängig davon, ob im Kassen- oder Wahlärztesystem – anerkennen und gewährleisten. Wien stehe als einzige Metropole Österreichs vor besonderen Bedürfnissen und Herausforderungen; die Kammer sieht sich mit entsprechenden Konzepten vorbereitet.
Unterstützung signalisiert die Standesvertretung auch für Ludwigs Vorstoß, ein bundesweit einheitliches Dienst- und Besoldungssystem für alle öffentlichen Krankenanstalten zu schaffen. Das medizinische Personal in den Wiener Spitälern stoße zunehmend an Grenzen, erklärte Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte.
Immer mehr Ärztinnen und Ärzte verließen das System, weil Arbeitsbedingungen und Gehälter nicht fair und marktkonform seien. Eine Anhebung des Besoldungsniveaus durch ein einheitliches System werde befürwortet; eine Verringerung der Gehälter dürfe es keinesfalls geben.
Als rasch wirksamen Schritt nennt die Kammer die Umsetzung des sogenannten WIGEV II-Pakets, auf die seit 2023 gewartet werde. Damit ließen sich aus Sicht der angestellten Ärzte umgehend einheitliche, konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen schaffen – auch im Vergleich zu Bundesländern wie Niederösterreich oder dem Burgenland.
Steinhart verwies zudem auf den Wert eines Dialogs auf Augenhöhe, wenn alle Beteiligten an einem Tisch säßen. Beim gesundheitspolitischen Forum am Vortag diskutierte er mit Peter McDonald, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse, Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig und der Tiroler Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele über die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems.
Die Ärztekammer bekräftigte ihre Bereitschaft, fachlichen Input für eine zukunftsfähige, solidarische Versorgung einzubringen. Die nächste Runde der Gesundheitsreform-Verhandlungen steht am Donnerstag an. Aus Sicht der Wiener Ärzteschaft sollten dabei Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen – und die Expertise der in der Praxis tätigen Ärztinnen und Ärzte systematisch berücksichtigt werden.
